Erfolgreiches Schülergericht

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In Landshut beraten junge Leute über jugendliche Straftäter

Landshut. Seit 2012 gibt es in Landshut ein „Schülergericht", das erfolgreich arbeitet. Unter Anleitung von Andy Bach, Sozialpädagoge beim Katholischen Jugendsozialwerk München in Landshut, werden junge Leute zu Schülerrichtern ausgebildet. Dann verhandeln sie unter Anleitung eines Sozialpädagogen echte Straffälle, an denen Jugendliche beteiligt sind. Die Voraussetzung dafür ist, dass es sich dabei um leichte bis mittelschwere Straftaten handelt. Die jungen Delinquenten sind Ersttäter und sie und ihre Erziehungsberechtigten sind damit einverstanden, dass sich Schülerrichter mit dem Fall beschäftigen. Wählen sie diesen Weg statt dem „normalen" Jugendgericht, bleibt ihnen ein Eintrag im Führungszeugnis erspart.

Einfach nicht cool

Als Schülerrichter arbeiten Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die von Andy Bach auf diese Aufgabe vorbereitet wurden. Sie unterliegen der Schweigepflicht und arbeiten ehrenamtlich. Je zu dritt beschäftigen sie sich mit einem Fall. Das Schülergericht setzt seinen Schwerpunkt darauf, dass die jungen Straftäter einsehen, dass ihr Verhalten ganz und gar nicht „cool" war. Die Wiedergutmachung kann dann auch ein eher symbolischer Akt sein.

Das war beispielsweise so, als zwei Jungs aus Langeweile mit einer Motorsäge im Wald wahllos Bäume gefällt haben. Die beiden erschienen vor den Schülerrichtern und dort war ihnen ihre Tat erkennbar peinlich. So wurde ihnen als Strafe mitgegeben, in ihrer Freizeit zwei Holzschalen zu drechseln, um sich intensiver mit dem Thema Holz auseinanderzusetzen.

20 Fälle haben die 28 Schülerrichterinnen und -richter im Jahr 2017 verhandelt. Drei Viertel der angeklagten Jugendlichen waren männlich, ein Viertel weiblich. 16 von ihnen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit, zwei sind Deutsche mit Migrationshintergrund und zwei haben einen anderen Pass. Die meisten von ihnen, genau 13, waren bei ihrer Tat 16 oder 17 Jahre alt. Bei den jungen Tätern sind alle Schularten vertreten: sieben kamen von der Mittelschule, einer von der Realschule, drei von Gymnasium, FOS oder BOS, acht waren Azubis, einer studierte bereits.

Johannes Alfery engagiert sich schon seit fünf Jahren als Schülerrichter. In dieser Zeit hat er an 15 Verhandlungen teilgenommen. Ihm macht die Tätigkeit so viel Spaß, dass er sich mittlerweile für ein Jurastudium entschieden hat. „Man gewinnt wirklich Menschenkenntnis dazu. Das Spannende ist, dass die Straffälligen aus allen Gesellschaftsschichten kommen."

Wie kann man Schülerrichter werden?

  • Schülerrichter kann jede und jeder im Alter von 14 bis 21 Jahren werden.
  • Das Ehrenamt ist an keine Schulform gebunden. Egal, ob Schüler das Gymnasium oder die Mittelschule besuchen - sie können sich hier engagieren.
  • Auf ihr Amt werden sie durch Schulungen vorbereitet. Bei den Sitzungen werden sie von einem Sozialpädagogen begleitet.
  • Es gibt derzeit 28 Schülerrichter in Landshut. Sie verhandeln 20 bis 25 Fälle im Jahr. Wer einen Täter kennt, klinkt sich als „befangen" von dem Fall aus. 
  • Dabei handelt es sich um Fälle der leichten bis mittelschweren Kriminalität. Die jugendlichen Täter haben bereits gestanden und machen freiwillig mit.

Bewerbungen für die nächste Ausbildung zum Schülerrichter (ab September 2018) nimmt Andy Bach entgegen: andy.bach@kjsw.de oder 0871/9234328.