Besuch beim Betreuungsverein

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Weniger als jeder Handwerker

Der Betreuungsverein des KJSW hilft effektiv, kämpft aber mit den niedrigen Stundensätzen

„Wir können Menschen wirklich helfen", betont Carina Reb, die Leiterin des Betreuungsvereins. Die Volljuristin und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen selbst Betreuungen von Menschen, die niemanden haben, der diese Aufgabe sonst übernehmen könnte. Zum Beispiel, dass eine Patientin in einer Klinik bei einer akuten Blasenentzündung tatsächlich die Antibiotika bekommt, die sie benötigt. Ein anderer Betreuer kümmert sich darum, dass das Kind einer alleinerziehenden Mutter fristgerecht zum Schullandheim angemeldet wird und Taschengeld erhält. Sowohl die Patientin in der Klinik als auch die alleinerziehende Mutter könnten sich nicht darum kümmern.

Der Betreuungsverein führt nicht nur eigene Betreuungen, sondern schult darüber hinaus auch ehrenamtliche Betreuer. „Wir setzen uns konsequent für die Anliegen unserer Betreuten ein", ergänzt Carina Reb. Aufmerksam hören ihr und ihren Kolleg*innen vier Besucher zu: Neben den beiden KJSW-Vorständen ist KJSW-Vereinsratsvorsitzender Klaus Peter Franzl vor Ort, um sich über die aktuelle Lage des Betreuungsvereins zu informieren. Er hat Vereinsratsmitglied Laurent Westermayr mitgebracht, der sich ebenfalls für die Thematik interessiert.

Klar ist, dass die Zahl der Menschen, die Betreuung brauchen, demnächst noch weiter ansteigen dürfte. Die geburtenstarken Jahrgänge werden in zehn bis 15 Jahren in Rente gehen und einige von ihnen werden danach Betreuung brauchen. Zugleich gibt es dann weniger Menschen, die aktiv im Berufsleben stehen. Dabei sind die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Betreuer schon heute nicht besonders gut: „Wir arbeiten seit vielen Jahren für einen Stundensatz von 44 Euro brutto, der alles abgelten soll: Die eigentliche Arbeit, die Fahrtkosten zu den Betreuten hin, eventuelle Dolmetscherkosten, die Verwaltung und so weiter", erklärt Carina Reb und ergänzt. „Das ist viel weniger als jeder Handwerker heute pro Arbeitsstunde verlangt, und er darf die Fahrtkosten noch extra aufschreiben." Deshalb setzt sich der Betreuungsverein des KJSW für die längst überfällige Erhöhung des Stundensatzes ein.

Die Gäste sind beeindruckt von den vielfältigen Aufgaben des Betreuungsvereins. „Kirche wird hier glaubwürdig erfahrbar, weil sie das christliche Menschenbild ganz konkret vorleben", betonte Domkapitular Klaus Peter Franzl nach dem Besuch. Er dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für deren Engagement und versprach, für deren Anliegen weiter ein offenes Ohr zu haben.

Text und alle Fotos: Riffert/Pressestelle KJSW