08.12.2016

Kardinal besucht Jugendwohnheim Landshut

Schätze für die Zukunft

 

Landshut. Kardinal Marx besucht jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit eine soziale Einrichtung in der Erzdiözese. Heuer ist das Katholische Jugendsozialwerk München mit seinem Landshuter Jugendwohnheim an der Reihe. Dort leben unter anderem 18 jugendliche Flüchtlinge, für deren Schicksal er sich besonders interessiert. Den jugendlichen Flüchtlingen im Landshuter Jugendwohnheim will Kardinal Marx nach einem Rundgang durch die Einrichtung gezielt Zeit schenken. Eine gute halbe Stunde unterhält er sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit ihnen darüber, wie es ihnen geht und was sie sich im Leben wünschen. „Ich kenne all diese Städte Syriens, von denen wir täglich in den Nachrichten hören, persönlich: Homs, Aleppo, Rakka... Da war ich überall selbst schon vor 16 Jahren", erklärt der Münchner Erzbischof. Die jungen Flüchtlinge im Jugendwohnheim Landshut stammen zum großen Teil aus Syrien und sind gerührt, dass Kardinal Marx ihre Heimat so gut kennt.

Jeder ein Ebenbild Gottes

„Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß, Christ oder Muslim, ist ein Ebenbild Gottes. Das ist die Basis unseres Glaubens", hat Kardinal Marx zuvor in seiner Ansprache an die Mitarbeiter des KJSW betont. Je mehr Menschen anderen Kulturen begegneten, desto seltener seien Ablehnung und Hass. „Menschen freuen sich über dieselben Dinge, und sie lachen und weinen oft über dieselben Dinge. Auf diesen Gemeinsamkeiten müssen wir aufbauen, bevor wir einander sagen, was wir anders machen", so der Erzbischof.

Damit diese Gemeinsamkeiten auch im Landshuter Jugendwohnheim zwischen Einheimischen und neu Angekommenen intensiv entdeckt werden können, hat Kardinal Marx ein großzügiges Weihnachtsgeschenk mitgebracht: 10.000 Euro zur Ausgestaltung eines Freizeitraums, in dem sich alle Bewohner treffen können, um zu „kickern", zu reden, miteinander zu kochen und zu feiern.

Engagement lohnt sich

Worte der Anerkennung findet der Münchner Erzbischof für die Arbeit des Katholischen Jugendsozialwerks München sowie für das Engagement der 40 Sprach- und Kulturmittler, die sich beim KJSW in Landshut angedockt haben. Sie helfen jugendlichen und erwachsenen Neuankömmlingen beim Heimischwerden in der deutschen Kultur sowie beim Spracherwerb. Bei Bedarf gehen sie auf kulturell unterschiedliche Sichtweisen ein. Das Angebot gibt es in 20 Sprachen von Albanisch und Arabisch bis Somali und Türkisch. Auch weitere engagierte Helfer gibt es. Sie bieten beispielsweise den UMFs Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, vor allem im Bereich des Sports. „Ich will dazu ermutigen, dass sich möglichst viele Menschen füreinander engagieren. Es lohnt sich", weiß Kardinal Marx.

Step by Step

Friederike Appold und Kathrin Strasser stellen Kardinal Marx bei seinem Besuch das Projekt Step by Step vor. „Als im Mai 2015 der erste jugendliche Flüchtling bei uns eingezogen ist, wussten wir nicht, was auf uns zukommt", berichtet Friederike Appold. Ob das weibliche Pädagogenteam respektiert würde oder ob es womöglich Konflikte zwischen jungen Flüchtlingen und anderen Bewohnern geben könnte, beschäftigte das Team. Doch diese Sorgen waren unbegründet. „Wir haben keine Probleme. Es klappt super, außer dass das deutsche Essen immer wieder ein Thema ist und wir manchmal unterschiedliche Auffassungen davon haben, was ‚laut‘ und was ‚leise‘ ist", schmunzelt die Projektleiterin.

Das Konzept „Step by Step" stellt sicher, dass die UMFs nicht gleich bei Erreichen des 18. Lebensjahres ausziehen müssen, sondern reguläre Dauerbewohner des Jugendwohnheims werden können. Zielsetzung ist, dass die UMFs möglichst schnell selbstständig werden. Das Jugendwohnheim Landshut bietet deshalb das Jugendwohnen für junge Flüchtlinge an. Dies setzt einen hohen Grad an Selbständigkeit voraus und wird nur noch sozialpädagogisch begleitet. So können sie weiter von den Personen, die sie bereits von der Wohngruppe her kennen, betreut werden.

Grundsteinlegung für Neubau

Die Gebäude des Jugendwohnheims Landshut sind mittlerweile rund 60 Jahre alt. Deshalb wird auf dem Gelände der ehemaligen Schoch-Kaserne ein neues Wohnheim mit 165 Plätzen errichtet. Das Bauprojekt, das mit rund 17 Millionen Euro zu Buche schlägt, soll Ende 2018 abgeschlossen sein. 80 der Wohnheimplätze sollen auswärtigen Berufsschülern zur Verfügung stehen, zehn Plätze sollen Schüler der Keramikfachschule nutzen können. Der Neubau wird durch die Erzdiözese München und Freising gefördert, durch die Bundesagentur für Arbeit, die Stadt Landshut sowie der Regierung von Niederbayern.
Beim Besuch des Kardinals ist aber erst einmal die Grundsteinlegung vorgesehen. Auf dem Baugelände begrüßt Vereinsratsvorsitzender Klaus Peter Franzl die Ehrengäste, darunter Landrat Peter Dreier, den noch amtierenden Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf, Stiftspropst Dr. Franz Joseph Baur, die Caritasreferentin der Erzdiözese Dr. Elke Hümmeler und die Vorstände des KJSW, Egon Forchhammer und Berthold Wübbeling.

Schließlich erbittet der Münchner Erzbischof bei strahlendem Sonnenschein den Segen Gottes für das Bauprojekt. In der Zeitkapsel, die er einmauert, sind Schätze der Gegenwart enthalten: Ein Rosenkranz, den Papst Franziskus geschickt hat; ein handsigniertes Bild des Kardinals; eine Tageszeitung aktuellen Datums; einige Münzen sowie Kollagen mit Wünschen der Bewohner für die Zukunft.

Der Landshuter Neubau

  • Nutzung als Jugendwohnheim und Dienstgebäude des KJSW in Landshut
  • Nettogeschoßfläche: 27.650Quadratmeter
  • 120 Wohneinheiten in Einzel- und Doppelzimmern für bis zu 165 Bewohner
  • Drei rollstuhlgerechte Apartments
  • Barrierefreier Aufzug
  • Bauzeit: bis Oktober 2018

 

 

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