Interview mit Ludwig Weber

9-CooleJungsaufderBaustelle.JPG

Aufbauen auf Beziehungen

Interview mit Ludwig Weber, Leiter des KJSW in Landshut, über das Projekt "Step by Step"

Frage: Wie hilft das Projekt „Step by Step“ jungen Flüchtlingen? 

Ludwig Weber: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die zu uns kommen, haben zunächst Anspruch auf intensivpädagogische Betreuung. Die bekommen sie unter anderem bei uns in Landshut. Dadurch, dass wir die intensivpädagogisch betreute WG im Jugendwohnheim verortet haben, ist es möglich, dass sie nach ihrer intensivpädagogischen Betreuung reguläre Dauerbewohner des Jugendwohnheims werden und von denselben Personen sozialpädagogisch betreut werden, die sie schon kennen.

Auch wenn ein Familiennachzug stattgefunden hat, können die Jugendlichen beziehungsweise die Familien durch dieselben Bezugspersonen ambulant betreut werden, wenn das Jugendamt dem zustimmt. Unterm Strich sind wir dadurch für die Jugendämter, die die Kosten für die Betreuung der jungen Flüchtlinge übernehmen, natürlich günstiger. Das ist zwar nur ein Aspekt, aber für die Jugendämter ist das nicht unwesentlich, wenn es darum geht, Jugendliche nach ihrem 18. Geburtstag weiterzubetreuen.

Frage: Der Kernpunkt von „Step by Sep“ ist also, dass die jungen Leute im gesamten Jugendhilfeprozess von einer Bezugsperson betreut werden können.

Ludwig Weber: So ist es. Wir bemühen uns sehr darum, dass die intensivpädagogischen Anstrengungen nicht einfach verpuffen, wenn die jungen Leute nach ihrem Auszug woanders neu anfangen müssen. Es gibt viele Konzepte, wo Jugendliche mit Sicherheit qualitativ hochwertige pädagogische Betreuung erfahren, aber es gibt für viele ein sehr großes Fragezeichen, was danach kommt. Deshalb versuchen wir vom ersten Tag an so schnell und so viel wir können zu tun, damit die jungen Leute nicht so lange in der intensivpädagogischen WG leben müssen, sondern dass sie möglichst schnell die Kriterien erfüllen, die sie brauchen, um im Jugendwohnheim Tür an Tür mit Deutschen leben zu können. Dazu gehören unter anderem der Spracherwerb, ein Besuch der Schule, ein geklärter Status und Papiere, die Gesundheit, die persönliche Entwicklung und die psychische Stabilität. Da gibt es ganz viel, was man abklopfen muss und wo man sie sozialpädagogisch unterstützt. Ziel ist, dass sie möglich schnell selbstständig werden.

Ziel ist aber nicht nur, die Integration der jungen Flüchtlinge in die bestehende Heimgemeinschaft sondern auch umgekehrt, die Zusammenführung der einheimischen Jugendlichen mit ihre neuen Zimmernachbarn, Kollegen, Freundinnen und Freunden – beides zu gleichen Teilen.

 

Frage: Können die jungen Leute auch unter 18 Jahren aus der intensivpädagogischen WG ausziehen und zu regulären Dauerbewohnern werden?

Ludwig Weber: Ja klar! Unser Ziel muss es sein, dass wir diese intensivpädagogisch betreute Phase nicht ausreizen. Ziel von Step by Step ist es, dass sich die Fachleistungsstunden verringern: Von zehn Wochenstunden in der intensivpädagogischen WG zu fünf und später drei bis zur gelegentlichen Begleitung am Schluss. Wir müssen schauen, dass wir die teuren Plätze in der intensivpädagogischen WG nicht mit Jugendlichen blockieren, die das womöglich gar nicht mehr brauchen. Diejenigen, die so weit sind, dass sie ins Jugendwohnheim ziehen können, die tun das unabhängig von ihrem Alter. Dieses Konzept können wir hier anbieten, weil wir das Jugendwohnheim im selben Gebäude haben. Das lässt sich nicht überallhin übertagen.

Frage: Sind Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankbar, weil das alles so gut klappt?

Ludwig Weber: Ich bin sehr dankbar. Die Mitarbeiter, die wir haben, die sind Gold wert. Bei Besuch von Kardinal Reinhard Marx am 9. Dezember in Landshut haben wir zeigen können, was bei uns an erfolgreicher Integrationsarbeit läuft.

Interview:Gabriele Riffert