Betreuungsvereine bedroht

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Betreuungsvereine bedroht

Immer kompliziertere Betreuungsfälle und unzureichende Fallpauschalen belasten die Begleitung Ehrenamtlicher – Joachim Unterländer, MdL will sich für Mittelaufstockung einsetzen

München. Die Betreuungsvereine in Bayern sind in ihrer Existenz bedroht, wenn die seit 2005 gedeckelten Fallpauschalen für hauptberuflich tätige rechtliche Betreuer nicht angehoben werden. Dies verdeutlichten Vertreter des Betreuungsvereins des Katholischen Jugendsozialwerks München  bei einem Fachgespräch am Nachmittag des 15. Januar in München. Daran nahmen auch der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags, Joachim Unterländer, und Ministerialrat Dr. Oliver Bloeck teil, der das Referat IV 3 des bayerischen Sozialministeriums leitet.
Die Juristin Carina Reb hob als Leiterin des Betreuungsvereins dessen Bedeutung gerade für ehrenamtliche Betreuer hervor: Die Ehrenamtlichen hätten die Betreuung vor allem für Angehörige inne, die ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten. Die Vereine bieten ihnen Schulungen, Beratung und Begleitung. Dies sei nötig, da Behörden und Einrichtungen meist nicht zwischen hauptberuflich tätigen und ehrenamtlichen Betreuern unterschieden und von allen gleichermaßen die Erfüllung rechtlicher Standards forderten. Betreuungsvereine berieten auch Bürger zu Fragen wie der Vorsorgevollmacht. Dieser Service werde von den Bürgern gut nachgefragt. „Wir machen unsere Arbeit gerne und wir machen sie auch sehr gut“, betonte Carina Reb. Allerdings stelle sich die Frage, wie lange dies noch möglich sei. Während die Situation in München aufgrund freiwilliger Zuschüsse der Stadt noch vergleichsweise gut sei, sei die Arbeit von Betreuungsvereinen in den meisten anderen bayerischen Landkreisen akut gefährdet.

Die Fälle werden immer komplizierter
Die Mitarbeiter von Betreuungsvereinen führen auch selbst hauptberufliche Betreuungen. Durch die Mittel, die sie dafür erhielten, würden Beratung und Begleitung von Ehrenamtlichen erst möglich. „Allerdings werden die Betreuungen derzeit immer komplizierter“, berichtet Carina Reb. So müssten oft bei verwirrten Personen Briefe gesichtet werden, die teilweise schon seit Jahren nicht mehr geöffnet wurden. Oder es müssten Dolmetscher hinzugezogen werden, weil die Betreuten kein Deutsch sprächen. Die Kosten dafür würden allerdings nicht extra erstattet, denn die Fallpauschale von derzeit 44 Euro pro Stunde muss alle Aufwendungen inklusive Fahrtkosten, Porto oder Dolmetschergebühren abdecken.